"1 Flasche weißen Tequila
1 Flasche Bitter Lemon
1 Wasserglas mit circa 0,4 l Fassungsvermögen
1 Bierdeckel resp. ein Küchenhandtuch
Das Wasserglas halb voll mit Tequila befüllen, den Rest mit Bitter Lemon aufschütten. Das Glas mit einem Bierdeckel bedecken, nach dem zweiten Rapido empfiehlt sich zusätzlich ein Küchenhandtuch.
Volle Kanne auf den Tisch damit hauen. Aber richtig feste. Jetzt schäumt es wie Hirsch.
Auf einen Zug leer trinken."
Unter meinem Himmel
Aktuelles Wetter in Cologne:
Temperatur: 22 C
UV Index: 4
Luftfeuchte: 60 %
Sichtweite: 10.0 km
Luftdruck: 1013.9 mb
Windstärke: 10 km/h
Der Samstag lässt sich deutlich kühler an, als die vorangegangenen Tage. Ich nutze das Wetter, um mit dem Hund durch den Wald zu laufen.
Der Hund kommt völlig fertig nach Hause und hüpft sofort auf seinen Lieblingsplatz.
Eigenartig, Femi findet den Gartentisch total bequem. Da könnte sie stundenlang liegen. Vielleicht will Femi aber auch einfach nur die Pole Position. Ich lasse ihr die Freude, tue so, als hätte ich sie nicht gesehen.
Das Wochenende wird für sie wie für mich anstrengend werden.
Die Messezeit hat begonnen, nun sind die Wochenenden erst einmal voll mit Ausstellungsräumen, freundlich lächelnden Vertretern und Knabberkram auf den Tischen. Und in der Zeit dazwischen ist Büro angesagt, viel Arbeit, noch mehr Schweiß, weil es dort keine Klimaanlage gibt. Zum Leben wird da wohl kaum Zeit bleiben, aber ich habe ohnehin den Verdacht, dass das, was man für das Wichtigste im Leben hält, irgendwie immer zu kurz kommt.
Und ich bin weiterhin verliebt in das Leben, den Sommer und die Wattebäusche, die am Himmel hängen.
Und natürlich in Femi, die auf dem Gartentisch wacht.
Könnte ja ein Eichhörnchen vorbei kommen...
Offenbar ist es dem geneigten deutschen Leser auch egal, ob ich gestern Nacht in der Badewanne ertrunken bin oder nicht.
Ich bin nicht, aus der Schlafbadewanne ist nämlich nichts geworden. Nach einer Viertelstunde zog ich mich aus dem kühlen Nass und versuchte, meinen schockgefrorenen Organismus durch sanfte Massagen mit Lavendelöl wiederzubeleben. Das brachte gegen halb sechs Uhr dann schließlich den ersehnten Schlaf.
Der empfindlich gegen halb acht durch einen penetrant klingelnden Wecker gestört wurde. Normalerweise schalte ich den Wecker in solchen Nächten kommentarlos aus und verschiebe im Geiste alle Termine des Tages einfach auf den nächsten.
Jetzt habe ich einen geschrotteten Wecker, den ich heute früh vom Tisch gerissen habe, und einen kaputten Ventilator, den Femchen heute nachmittag irgendwann vom Tisch gerissen hat.
Femi, so habe ich übrigens mal nachgegoogelt, ist ein afrikanischer Name und bedeutet übersetzt "Liebe mich". Und wenn es einen Namen gibt, der zu diesem Hund wirklich passt, dann doch dieser.
Meiner hingegen bedeutet "Glückskind" oder auch "Stimme Gottes", und beides ist so entsetzlich unpassend, so unglaublich daneben, als würde das Schicksal mich absichtlich verspotten wollen, dass ich mir überlege, mich amtlich umzubenennen.
Wäre blöd, weil eine Namensänderung in Deutschland heftig teuer ist. In Serbien ist sie, soweit ich weiß, sogar völlig unmöglich. Was bleibt einem da anderes, als sich mit dem abzufinden, was man laut Namensgebung ist.
Ganz abgesehen davon, dass ich trotz Namensänderung immer noch genau wüsste, wie ich eigentlich heiße, auch wenn es nicht mehr in meinem Ausweis steht. Und außerdem stelle ich es mir schwierig vor, mich nach so vielen Jahren auf einen anderen Namen umzugewöhnen.
Und noch außerdem wird man dadurch, dass man seinen Namen ändert, nicht zwingend eine Andere. Das mag bei Madonna ja geklappt haben. Ich würde hingegen immer ich bleiben. Seinem Leben zu entkommen, ist ohnehin unmöglich. Ich weiß das, ich hab es auf die unterschiedlichsten Arten und Weisen oft genug versucht.
Gestern Nacht durchblätterte ich twoday noch ein wenig, bevor ich in die Badewanne ging. Las einen Haufen sinnvoller und einen noch größeren Haufen sinnloser Cyberliteratur und stellte fest, dass meine Wahrnehmung von der Gesellschaft eine völlig verzerrte sein muss. Was sich da größter Beliebtheit freut, ist oft einfach nicht das meine.
Muss es ja auch nicht, dafür schreibe ich ja meinen eigenen Blog, und an dem kann ich mich dann freuen. An meinem umwerfenden Sinn für feinen Humor im Subtext, den syntaktischen Meisterleistungen meiner Metaphern, den kleinen Wahrheiten und Unwahrheiten, die ich unregelmäßig in meine Tagebuchaufzeichnungen streue, so dass ich einige Wochen später selbst nicht mehr weiß, was nun eigentlich stimmt und was ich mir lediglich ausgedacht habe.
Aber das macht es ja auch aus. Jemand anderes zu sein. Einen anderen Namen zu haben, eine andere Biografie zu beschreiben, ein anderes Leben zu heucheln.
Man kann sich selbst entkommen.
Sich in die Cyberwelt flüchten.
Wow, wie der Rasenmähermann.
Oder fast zumindest.
Einer meiner Lieblingsmusiker, Djordje Balasevic, hat, so glaube ich, im letzten Jahr etwas entscheidend Kluges gemacht, was ich eventuell modifiziert auch deutschen Musikern anraten würde.
Balasevic, einer der erfolgreichsten Liedermacher in Ex Yu überhaupt, hat eine Auswahl seiner Songs von (mir unbekannten) Rockbands neu aufnehmen lassen. Im Herzen immer ein Rocker, jedoch dafür gänzlich untalentiert, hat er auf diese ungeheuer kreative Art und Weise jetzt das bekommen, was er sich gewünscht hat.
Das Ergebnis lässt sich durchaus hören.
Okay, interessiert den geneigten deutschen Leser jetzt einen feuchten Fuzzi, was ich mir um drei Uhr nachts so im Netz anhöre.
Viel interessanter ist wohl, was ich mir dabei denke, um drei Uhr nachts überhaupt irgendwo anders zu sein als im Bett. Schließlich ist morgen ein Arbeitstag.
Nur, ehrlich, ist es im Augenblick einfach zu heiß fürs Schlafen, und kühle Träume sind für diese Nacht nicht mehr zu erwarten. Mein nackter Rücken klebt am Kunstleder des Schreibtischsessels, die Finger rutschen von der Tastatur, selbst die Stereoanlage dudelt irgendwie träge. Der Sommer im Rheinland ist schwül und feucht. Eigentlich kaum zu ertragen und genau deshalb eigentlich kaum zu verstehen, weshalb wir das bevölkerungsreichste Bundesland der Republik sind. Der Sommer bleibt jetzt auch erst einmal so, sagt der Wetterdienst, und das weiß auch Femi, die sich ächzend aus ihrem Körbchen hebt, um auf den Kacheln im Flur ein bisschen abzukühlen. Ich setze da auf Bussi Kratzeis. Nur halb durchgefroren, so dass man es noch bequem löffeln kann.
In Nächten wie diesen, die so heiß sind, so feucht, so endlos, da frage ich mich immer intuitiv, ob ich in diesem Leben jemals wirklich glücklich werde. Ob es irgendwo auf mich wartet, mein Glück mit den dunklen Augen, darauf, dass ich es endlich bemerke, denn es ist ja da, das Glück, nur werde ich es eben nicht auf dem Grund eines Bussi Kratzeisbechers finden.
Ich glaube, die Liebe begegnet einem nur einmal im Leben. Und wenn es die echte Liebe ist, die wahre, die tiefe, so tief, dass man glaubt, man blicke in einen untiefen Abgrund der eigenen Seele, so wahr, dass man ängstlich wird, das Leben könnte sie einem wieder nehmen, und man weiß, dass man in diesem Fall nie wieder wird atmen können, dann ist man der Göttlichkeit ganz nah. Max Goldt schrieb in einem völlig anderen Zusammenhang einmal von dem "Weiterkommen in der eigenen Menschwerdung". Wenn sie einem begegnet, die wahre Liebe, die tiefe, dann ist man seiner Menschwerdung einen großen Schritt entgegengetreten, glaube ich.
Wie auch immer, meine Liebe zu Bussi Kratzeis ist hier jetzt nicht gemeint. Obwohl es wirklich hilfreich ist, das Bussi. Ich halte mir den Becher an die Stirn, reibe ihn unter die Achseln und verteile kleine Eissplitter auf Brüsten und Bauch, beobachte, wie sie wegschmelzen und in feinen Rinnsalen auf die Oberschenkel zulaufen.
Vielleicht werde ich jetzt die Badewanne volllaufen lassen, einige Würfel Eis hineinwerfen und mich darin schlafen legen. Sollte ich heute Nacht ertrinken, melde ich mich morgen erst einmal nicht. Sollte ich mich morgen erst einmal nicht melden, bedeutet das hingegen nicht automatisch, dass ich heute Nacht ertrunken bin.
Okay, morgen früh, wenn um halb acht der Wecker klingelt, finde ich das dann sicherlich auch nicht mehr witzig.
Aber für heute Nacht wird es reichen.
Im Iran stirbt jemand mit meinem Vornamen, ich bin seltsam unangenehm berührt, es in allen Tageszeitungen zu lesen, versuche, mich zu informieren, wegen der Namensgleichheit, aber auch, weil es mich ehrlich interessiert, und scheitere kläglich an den historischen Gegebenheiten, die offenbar zur akuten Situation geführt haben. Was immer so ist. Natürlich. Weil die Gründe für die Gegenwart immer in der Vergangenheit zu suchen sind. Selten auch mal in der Zukunft. Aber niemals in der aktuellen Gegenwart.
Die Tage der deutschsprachigen Literatur okkupieren meine Aufmerksamkeit seit zwei Tagen, genauer gesagt, der Sender, der die Veranstaltung überträgt. Fünf Stunden Glotze bin ich nicht mehr gewohnt, trotz mehr als ausreichenden Abstands bekomme ich nach der zweiten bereits höllische Kopfschmerzen und beschließe, den Rest der Veranstaltung als Hörbuch von der Liege am Gartenteich aus zu verfolgen.
Gestern noch wollte ich mir nach den Vorträgen ein anderes Hobby suchen, heute relativiert sich meine Wahrnehmung zu einem zaghaften "eventuell könnte ich das auch".
Nicht Klagenfurt.
Ich kann mir nicht vorstellen, mir von Burkhard Spinnen oder Ijoma Mangold meinen mit arteriellem Blut geschriebenen Text auseinandernehmen zu lassen. Auffällig, übrigens, wie oft die beiden Herren sich doch einig waren, in den vergangenen zwei Tagen.
Nein, das Texten.
Das könnte ich eventuell auch.
Nun ist es natürlich eines der Qualitätskriterien für einen richtig guten Text, dass alle Welt meint, den hätte sie mindestens genauso gut hinbekommen. Ich weiß gar nicht, wo dieser Gedanke her ist, fest steht, es ist nicht mein eigener. Muss wohl Burkhard Spinnen mal gesagt haben. Oder ein ähnlich kluger Literaturkritiker. Oder auch ein völlig arroganter Vollidiot mit einem One-Zitat-Wonder. Wie auch immer.
Weil ich mich in Klagenfurt befinde, gedanklich, nicht körperlich, verpasse ich die Meldung des Tages:
Michael Jackson hat es hinter sich gebracht.
Massen trauernder Fans erkundigen sich online bereits nach lokal geplanten Totenmessen, jedes Michael-Jackson-Fan-Forum hat ein eigenes Kondolenzbuch ins WWW gestellt, und dazu gleich die Rufnummern der nationalen Telefonseelsorge bekannt gegeben. Eine Bekannte ruft mich aufgelöst an und weint in den Hörer.
Michael Jackson, zur Erinnerung, das war diese synthetisch gebleichte, artifizierte Mumie, die früher mal gesungen hat. Gar nicht mal schlecht, muss man einräumen. Bekannt geworden ist er aber weniger durch seine Songs als mehr durch Schlagzeilen zu den Themen Kindesmissbrauch, skurrile Lebensführung und verschwenderisch, infantiles Anwesen. Schlief der nicht immer unter einem Sauerstoffzelt? Da sieht man mal, dass sowas wenig nützt, wenn man sich gleichzeitig mit Schmerzmitteln zuschüttet.
Ich will ja gar nicht herzlos klingen.
Man könnte die Fans ja auch einfach mit der Überlegung trösten, dass Michael Jackson sich nun zumindest in den Zirkel der viel zu früh verstorbenen Legenden wird reihen können, als da wären James Dean, Freddie Mercury oder auch Heath Ledger.
Nur die Besten sterben früh, sagt meine Bekannte und schnieft.
Ich verkneife mir, ihr in dieser sensiblen Situation zu widersprechen.
Ihr zu sagen, dass das menschliche Gedächtnis darauf trainiert ist, nur die guten Erinnerungen zu speichern, die schlechten rutschen ab in das dunkle Reich der Verdrängung.
Es ist ein Naturgesetz.
Das funktioniert auch bei Michael Jackson.
"Ein Bilderbuch scheint alles, was vergangen."
Wusste schon Eichendorff.
Das hier nur, weil ich total auf Literaturzitate stehe, sie lassen mich belesen wirken.
Und, um die grundsätzliche literarische Befähigung meiner Person zu unterstreichen, bevor ich morgen gut gelaunt und in gnadenloser Kritikermanier zur Abstimmung über die diesjährigen Texte von Klagenfurt schreite.
Einmal noch nachtreten, danach lasse ich es mal wieder gut sein für dieses Jahr mit dem ESC, versprochen.
Ein unbestrittenes Highlight des Abends war für mich der russische Beitrag. Das Lied, die Performance, einfach spitze.
Hier zum nachschauen:
Ich habe mir auch wieder meine Russischunterlagen rausgesucht. Wird Zeit, dass ich es ein wenig auffrische.
(Das Lied wurde aber, habe ich mir sagen lassen, auf Ukrainisch gesungen)
Weiteres Highlight in meiner Liste war der umwerfende Auftritt von Patricia Kaas. Ich finde übrigens, dass der Song einfach zu gut war für den ESC. Irgendjemand schrieb dazu, Patricia Kaas wirkte, als habe sie sich in der Bühne geirrt.
Unglaublich. Einfach nur unglaublich. Großartig! Worüber sie da auch immer singen mag, sie tut es mit einer Sensibilität, die ich selten so gesehen habe.
Und natürlich Moldawien. Ein absolutes Highlight des Abends:
Juhu! Das ist Feuer!
Meine Suppenfreundin hätte übrigens vor Norwegen noch Bosnien Herzegowina und Russland gesehen.
Dennoch, eine gute Veranstaltung.
Und ich habe jetzt genau ein Jahr Zeit, meinen Lieblingsfeund dazu zu überreden, nächstes Jahr mit mir nach Oslo zu fliegen!!!