Mitrovdan
Ich hatte Elsa ein Slava Special versprochen, und hier ist es nun.
Jede serbisch orthodoxe Familie feiert ihren Schutzpatron.
Meiner ist der Hl. Dimitri von Thessaloniki.
Dimitri war ein Soldat, nahm nach dem Tod seines Vaters dessen Platz als Heerführer in der Armee von Saloniki unter Kaiser Maximilian ein. Dieser, ein erbitterter Gegner des Christentums, hatte die Verfolgung der Christen angeordnet, doch der Geschichte nach soll der heilige Dimitri sich gegen Kaiser Maximilian gestellt und öffentlich zum christlichen Glauben bekannt haben. Dafür ist er in den Kerker gegangen und wurde im Gebet erstochen. Dort wo er begraben wurde, steht heute eine große , ihm geweihte Basilika.
Der heilige Dimitri von Saloniki wird oft als Soldat, manchmal sogar als Krieger dargestellt. Er ist der Stadtpatron von Thessaloniki und Venedig und gilt als Schutzpatron der Soldaten.
Mein Familienschutzpatron ist durch meine Ahnen vorgegeben. Während der Christianisierung haben die Serben denjenigen Heiligen als ihren persönlichen Schutzpatron angenommen, an dessen Tag sie zum Christentum übergetreten sind.
Und so wird die Slava in meinem Haus gefeiert:
Am Vortag kommt der Priester und weiht das Haus und das Wasser. Man beginnt mit den Vorbereitungen. Am Vorabend wird die Kerze des Vorjahres angezündet und falls möglich vollständig heruntergebrannt. Sie ist mit einem kleinen Heiligenbildchen versehen. Verwandte und Bekannte rufen an und wünschen einem einen frohen Vorabend.
Am nächsten Morgen fährt man also mit Zito, einer Weizenspeise, und dem Brot, das man mit dem geweihten Wasser zubereitet hat, in die Kirche. Dort wird nach der Liturgie das Brot den Lebenden im Namen des Heiligen, und der Weizen im Andenken an die Toten geweiht. Man macht eine Liste, um niemanden zu vergessen: Links meine Toten, rechts meine Lebenden. Ich hätte gerne Flecki mit zu den Toten geschrieben, aber ich glaube, das wäre meinem Priester dann doch zu weit gegangen. Ich hab ein Kerzchen für sie angezündet.
Früher, als die Gemeinden noch kleiner waren (weil der größte Teil der serbischen Diaspora es vorzog, in kommunistische Clubs statt in die Kirche zu gehen), kamen die Priester immer am Slavatag ins Haus, hielten dort vor dem Hausaltar die Zeremonie und feierten danach mit. Heute wüsste er vermutlich gar nicht, zu wem er zuerst fahren soll, und wäre permanent unterwegs.
Während des Gebets wird das Brot gedreht, bevor man es im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes gemeinsam bricht.
Grundsätzlich ist man in der Gestaltung seines Brotes frei, solange man nur den "UC-XC-HU-KA" - Stempel nicht vergisst. Bei mir sind es fünf: Vier an der vier Kreuzungen der Zöpfe und einer in der Mitte.
Ich mache das Brot so, wie es meine Mutter gemacht hat: vier Rosen für die Schönheit in unserem Leben, vier Friedenstauben, die in die Mitte schauen, ein Brot, ein Fässchen, ein Buch und ein Tütchen. In die Mitte kommt ein getrockneter Basilikumzweig und um ihn herum ein roter Faden, der für die Freude in unserem Leben steht.
Allerdings war meine Mutter um ein Vielfaches geschickter, nicht nur, was die Dekoration angeht. Während ihr Brot eine ordentliche Höhe erreichte, will und will bei mir die Hefe nie so richtig aufgehen, so dass meines nicht nur wie ein Fladen ausschaut, sondern auch hart ist wie Stein.
Nach der Kirche geht man nach Hause und erwartet die Gäste.
Eine Besonderheit der Slava ist, dass man keinerlei Einladung aussprechen darf. Es darf kommen, wer immer mit mir feiern möchte. Das bedeutet, dass man sich immer für eine Armee ausgehungerter Serben rüstet, vor allem dann, wenn sich in der Diaspora herumgesprochen hat, dass das Essen gut ist.
Das erste, was ein Gast nimmt, wenn er das Haus betritt, ist das Zito, die Weizenspeise. Sie steht auch direkt am Eingang bereit. Danach wird gefeiert, gegessen, gesungen, gelästert, meist bis in die Morgenstunden. In unseren besten Zeiten hatten wir über hundert Gäste, und wenn der letzte gegangen war, hat meine Mutter die Morgenzeitung hereingeholt.
In Serbien sind die Feste natürlich viel größer. Auf der Slava eines Freundes waren letztes Jahr über zweihundert Menschen, und als ich um halb eins völlig übermüdet nach Hause fuhr, kamen immer noch welche erst an.
Ich liebe meine Slava und denke gerne an meine Vorfahren und wie sie ihre Slava gefeiert haben. Und irgendwie hoffe ich, im Heiligen Dimitri einen Fürsprecher zu haben, wenn es mal soweit ist, vor den Herrn zu treten.
Jede serbisch orthodoxe Familie feiert ihren Schutzpatron.
Meiner ist der Hl. Dimitri von Thessaloniki.
Dimitri war ein Soldat, nahm nach dem Tod seines Vaters dessen Platz als Heerführer in der Armee von Saloniki unter Kaiser Maximilian ein. Dieser, ein erbitterter Gegner des Christentums, hatte die Verfolgung der Christen angeordnet, doch der Geschichte nach soll der heilige Dimitri sich gegen Kaiser Maximilian gestellt und öffentlich zum christlichen Glauben bekannt haben. Dafür ist er in den Kerker gegangen und wurde im Gebet erstochen. Dort wo er begraben wurde, steht heute eine große , ihm geweihte Basilika. Der heilige Dimitri von Saloniki wird oft als Soldat, manchmal sogar als Krieger dargestellt. Er ist der Stadtpatron von Thessaloniki und Venedig und gilt als Schutzpatron der Soldaten.
Mein Familienschutzpatron ist durch meine Ahnen vorgegeben. Während der Christianisierung haben die Serben denjenigen Heiligen als ihren persönlichen Schutzpatron angenommen, an dessen Tag sie zum Christentum übergetreten sind.
Und so wird die Slava in meinem Haus gefeiert:
Am Vortag kommt der Priester und weiht das Haus und das Wasser. Man beginnt mit den Vorbereitungen. Am Vorabend wird die Kerze des Vorjahres angezündet und falls möglich vollständig heruntergebrannt. Sie ist mit einem kleinen Heiligenbildchen versehen. Verwandte und Bekannte rufen an und wünschen einem einen frohen Vorabend. Am nächsten Morgen fährt man also mit Zito, einer Weizenspeise, und dem Brot, das man mit dem geweihten Wasser zubereitet hat, in die Kirche. Dort wird nach der Liturgie das Brot den Lebenden im Namen des Heiligen, und der Weizen im Andenken an die Toten geweiht. Man macht eine Liste, um niemanden zu vergessen: Links meine Toten, rechts meine Lebenden. Ich hätte gerne Flecki mit zu den Toten geschrieben, aber ich glaube, das wäre meinem Priester dann doch zu weit gegangen. Ich hab ein Kerzchen für sie angezündet.
Früher, als die Gemeinden noch kleiner waren (weil der größte Teil der serbischen Diaspora es vorzog, in kommunistische Clubs statt in die Kirche zu gehen), kamen die Priester immer am Slavatag ins Haus, hielten dort vor dem Hausaltar die Zeremonie und feierten danach mit. Heute wüsste er vermutlich gar nicht, zu wem er zuerst fahren soll, und wäre permanent unterwegs.
Während des Gebets wird das Brot gedreht, bevor man es im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes gemeinsam bricht.
Grundsätzlich ist man in der Gestaltung seines Brotes frei, solange man nur den "UC-XC-HU-KA" - Stempel nicht vergisst. Bei mir sind es fünf: Vier an der vier Kreuzungen der Zöpfe und einer in der Mitte. Ich mache das Brot so, wie es meine Mutter gemacht hat: vier Rosen für die Schönheit in unserem Leben, vier Friedenstauben, die in die Mitte schauen, ein Brot, ein Fässchen, ein Buch und ein Tütchen. In die Mitte kommt ein getrockneter Basilikumzweig und um ihn herum ein roter Faden, der für die Freude in unserem Leben steht.
Allerdings war meine Mutter um ein Vielfaches geschickter, nicht nur, was die Dekoration angeht. Während ihr Brot eine ordentliche Höhe erreichte, will und will bei mir die Hefe nie so richtig aufgehen, so dass meines nicht nur wie ein Fladen ausschaut, sondern auch hart ist wie Stein.
Nach der Kirche geht man nach Hause und erwartet die Gäste.
Eine Besonderheit der Slava ist, dass man keinerlei Einladung aussprechen darf. Es darf kommen, wer immer mit mir feiern möchte. Das bedeutet, dass man sich immer für eine Armee ausgehungerter Serben rüstet, vor allem dann, wenn sich in der Diaspora herumgesprochen hat, dass das Essen gut ist.
Das erste, was ein Gast nimmt, wenn er das Haus betritt, ist das Zito, die Weizenspeise. Sie steht auch direkt am Eingang bereit. Danach wird gefeiert, gegessen, gesungen, gelästert, meist bis in die Morgenstunden. In unseren besten Zeiten hatten wir über hundert Gäste, und wenn der letzte gegangen war, hat meine Mutter die Morgenzeitung hereingeholt. In Serbien sind die Feste natürlich viel größer. Auf der Slava eines Freundes waren letztes Jahr über zweihundert Menschen, und als ich um halb eins völlig übermüdet nach Hause fuhr, kamen immer noch welche erst an.
Ich liebe meine Slava und denke gerne an meine Vorfahren und wie sie ihre Slava gefeiert haben. Und irgendwie hoffe ich, im Heiligen Dimitri einen Fürsprecher zu haben, wenn es mal soweit ist, vor den Herrn zu treten.
svashtara - 8. Nov, 21:16





Sorry,
Wirklich ein wunderschöner, stimmungsvoller Einblick.
Wieso heißt das jetzt auch "mitrovdan"? Wegen dem Dimitri? Dimitri-Tag?
Wenn man keine Einladung braucht, kann ich ja nächstes Jahr kommen, es wäre sicher schöner gewesen und weitaus weniger stressiger als mein Tag heute :)
Euer Heiligenkalender korrespondiert nicht mit dem katholischen, oder? Ist der wieder hintenan?*gg*
Ich fände das echt
Vielleicht suche ich mal für das nächste Jahr einige alte Slavabilder heraus, als der Priester noch ins Haus kam. Dann kann man auch mal die Zeremonie sehen.
Vom Ding her,
Nur als Anmerkung: Barbara ist bei uns am 4. Dezember neuerer Zeitrechnung :)
Aber dazu wurde bisher nie Aufwand betrieben, hin und wieder schneide ich Zweige und das wars auch.
Ja super, ich find das interessant, ich würde gerne mehr Bilder sehen, das kennt man ja alles gar nicht, schon gar nicht mit dieser protestantischen Tradition weithin bei uns.
Also dein nächster Mitrovdan dann am 8.11. 07 auf deiner Insel?
Bei uns ist
Kennst du "Schiffbruch mit Tiger"? Das ist ein wirklich wundervolles Buch. Hinten steht drauf: "Ein Buch, das Sie an Gott glauben lässt", und das ist eindeutig nicht zuviel versprochen.
Danke für den Link in deinem Blog :-)