Update
Im Iran stirbt jemand mit meinem Vornamen, ich bin seltsam unangenehm berührt, es in allen Tageszeitungen zu lesen, versuche, mich zu informieren, wegen der Namensgleichheit, aber auch, weil es mich ehrlich interessiert, und scheitere kläglich an den historischen Gegebenheiten, die offenbar zur akuten Situation geführt haben. Was immer so ist. Natürlich. Weil die Gründe für die Gegenwart immer in der Vergangenheit zu suchen sind. Selten auch mal in der Zukunft. Aber niemals in der aktuellen Gegenwart.
Die Tage der deutschsprachigen Literatur okkupieren meine Aufmerksamkeit seit zwei Tagen, genauer gesagt, der Sender, der die Veranstaltung überträgt. Fünf Stunden Glotze bin ich nicht mehr gewohnt, trotz mehr als ausreichenden Abstands bekomme ich nach der zweiten bereits höllische Kopfschmerzen und beschließe, den Rest der Veranstaltung als Hörbuch von der Liege am Gartenteich aus zu verfolgen.
Gestern noch wollte ich mir nach den Vorträgen ein anderes Hobby suchen, heute relativiert sich meine Wahrnehmung zu einem zaghaften "eventuell könnte ich das auch".
Nicht Klagenfurt.
Ich kann mir nicht vorstellen, mir von Burkhard Spinnen oder Ijoma Mangold meinen mit arteriellem Blut geschriebenen Text auseinandernehmen zu lassen. Auffällig, übrigens, wie oft die beiden Herren sich doch einig waren, in den vergangenen zwei Tagen.
Nein, das Texten.
Das könnte ich eventuell auch.
Nun ist es natürlich eines der Qualitätskriterien für einen richtig guten Text, dass alle Welt meint, den hätte sie mindestens genauso gut hinbekommen. Ich weiß gar nicht, wo dieser Gedanke her ist, fest steht, es ist nicht mein eigener. Muss wohl Burkhard Spinnen mal gesagt haben. Oder ein ähnlich kluger Literaturkritiker. Oder auch ein völlig arroganter Vollidiot mit einem One-Zitat-Wonder. Wie auch immer.
Weil ich mich in Klagenfurt befinde, gedanklich, nicht körperlich, verpasse ich die Meldung des Tages:
Michael Jackson hat es hinter sich gebracht.
Massen trauernder Fans erkundigen sich online bereits nach lokal geplanten Totenmessen, jedes Michael-Jackson-Fan-Forum hat ein eigenes Kondolenzbuch ins WWW gestellt, und dazu gleich die Rufnummern der nationalen Telefonseelsorge bekannt gegeben. Eine Bekannte ruft mich aufgelöst an und weint in den Hörer.
Michael Jackson, zur Erinnerung, das war diese synthetisch gebleichte, artifizierte Mumie, die früher mal gesungen hat. Gar nicht mal schlecht, muss man einräumen. Bekannt geworden ist er aber weniger durch seine Songs als mehr durch Schlagzeilen zu den Themen Kindesmissbrauch, skurrile Lebensführung und verschwenderisch, infantiles Anwesen. Schlief der nicht immer unter einem Sauerstoffzelt? Da sieht man mal, dass sowas wenig nützt, wenn man sich gleichzeitig mit Schmerzmitteln zuschüttet.
Ich will ja gar nicht herzlos klingen.
Man könnte die Fans ja auch einfach mit der Überlegung trösten, dass Michael Jackson sich nun zumindest in den Zirkel der viel zu früh verstorbenen Legenden wird reihen können, als da wären James Dean, Freddie Mercury oder auch Heath Ledger.
Nur die Besten sterben früh, sagt meine Bekannte und schnieft.
Ich verkneife mir, ihr in dieser sensiblen Situation zu widersprechen.
Ihr zu sagen, dass das menschliche Gedächtnis darauf trainiert ist, nur die guten Erinnerungen zu speichern, die schlechten rutschen ab in das dunkle Reich der Verdrängung.
Es ist ein Naturgesetz.
Das funktioniert auch bei Michael Jackson.
"Ein Bilderbuch scheint alles, was vergangen."
Wusste schon Eichendorff.
Das hier nur, weil ich total auf Literaturzitate stehe, sie lassen mich belesen wirken.
Und, um die grundsätzliche literarische Befähigung meiner Person zu unterstreichen, bevor ich morgen gut gelaunt und in gnadenloser Kritikermanier zur Abstimmung über die diesjährigen Texte von Klagenfurt schreite.
Die Tage der deutschsprachigen Literatur okkupieren meine Aufmerksamkeit seit zwei Tagen, genauer gesagt, der Sender, der die Veranstaltung überträgt. Fünf Stunden Glotze bin ich nicht mehr gewohnt, trotz mehr als ausreichenden Abstands bekomme ich nach der zweiten bereits höllische Kopfschmerzen und beschließe, den Rest der Veranstaltung als Hörbuch von der Liege am Gartenteich aus zu verfolgen.
Gestern noch wollte ich mir nach den Vorträgen ein anderes Hobby suchen, heute relativiert sich meine Wahrnehmung zu einem zaghaften "eventuell könnte ich das auch".
Nicht Klagenfurt.
Ich kann mir nicht vorstellen, mir von Burkhard Spinnen oder Ijoma Mangold meinen mit arteriellem Blut geschriebenen Text auseinandernehmen zu lassen. Auffällig, übrigens, wie oft die beiden Herren sich doch einig waren, in den vergangenen zwei Tagen.
Nein, das Texten.
Das könnte ich eventuell auch.
Nun ist es natürlich eines der Qualitätskriterien für einen richtig guten Text, dass alle Welt meint, den hätte sie mindestens genauso gut hinbekommen. Ich weiß gar nicht, wo dieser Gedanke her ist, fest steht, es ist nicht mein eigener. Muss wohl Burkhard Spinnen mal gesagt haben. Oder ein ähnlich kluger Literaturkritiker. Oder auch ein völlig arroganter Vollidiot mit einem One-Zitat-Wonder. Wie auch immer.
Weil ich mich in Klagenfurt befinde, gedanklich, nicht körperlich, verpasse ich die Meldung des Tages:
Michael Jackson hat es hinter sich gebracht.
Massen trauernder Fans erkundigen sich online bereits nach lokal geplanten Totenmessen, jedes Michael-Jackson-Fan-Forum hat ein eigenes Kondolenzbuch ins WWW gestellt, und dazu gleich die Rufnummern der nationalen Telefonseelsorge bekannt gegeben. Eine Bekannte ruft mich aufgelöst an und weint in den Hörer.
Michael Jackson, zur Erinnerung, das war diese synthetisch gebleichte, artifizierte Mumie, die früher mal gesungen hat. Gar nicht mal schlecht, muss man einräumen. Bekannt geworden ist er aber weniger durch seine Songs als mehr durch Schlagzeilen zu den Themen Kindesmissbrauch, skurrile Lebensführung und verschwenderisch, infantiles Anwesen. Schlief der nicht immer unter einem Sauerstoffzelt? Da sieht man mal, dass sowas wenig nützt, wenn man sich gleichzeitig mit Schmerzmitteln zuschüttet.
Ich will ja gar nicht herzlos klingen.
Man könnte die Fans ja auch einfach mit der Überlegung trösten, dass Michael Jackson sich nun zumindest in den Zirkel der viel zu früh verstorbenen Legenden wird reihen können, als da wären James Dean, Freddie Mercury oder auch Heath Ledger.
Nur die Besten sterben früh, sagt meine Bekannte und schnieft.
Ich verkneife mir, ihr in dieser sensiblen Situation zu widersprechen.
Ihr zu sagen, dass das menschliche Gedächtnis darauf trainiert ist, nur die guten Erinnerungen zu speichern, die schlechten rutschen ab in das dunkle Reich der Verdrängung.
Es ist ein Naturgesetz.
Das funktioniert auch bei Michael Jackson.
"Ein Bilderbuch scheint alles, was vergangen."
Wusste schon Eichendorff.
Das hier nur, weil ich total auf Literaturzitate stehe, sie lassen mich belesen wirken.
Und, um die grundsätzliche literarische Befähigung meiner Person zu unterstreichen, bevor ich morgen gut gelaunt und in gnadenloser Kritikermanier zur Abstimmung über die diesjährigen Texte von Klagenfurt schreite.
svashtara - 26. Jun, 15:56




