Schlaflos
Einer meiner Lieblingsmusiker, Djordje Balasevic, hat, so glaube ich, im letzten Jahr etwas entscheidend Kluges gemacht, was ich eventuell modifiziert auch deutschen Musikern anraten würde.
Balasevic, einer der erfolgreichsten Liedermacher in Ex Yu überhaupt, hat eine Auswahl seiner Songs von (mir unbekannten) Rockbands neu aufnehmen lassen. Im Herzen immer ein Rocker, jedoch dafür gänzlich untalentiert, hat er auf diese ungeheuer kreative Art und Weise jetzt das bekommen, was er sich gewünscht hat.
Das Ergebnis lässt sich durchaus hören.
Okay, interessiert den geneigten deutschen Leser jetzt einen feuchten Fuzzi, was ich mir um drei Uhr nachts so im Netz anhöre.
Viel interessanter ist wohl, was ich mir dabei denke, um drei Uhr nachts überhaupt irgendwo anders zu sein als im Bett. Schließlich ist morgen ein Arbeitstag.
Nur, ehrlich, ist es im Augenblick einfach zu heiß fürs Schlafen, und kühle Träume sind für diese Nacht nicht mehr zu erwarten. Mein nackter Rücken klebt am Kunstleder des Schreibtischsessels, die Finger rutschen von der Tastatur, selbst die Stereoanlage dudelt irgendwie träge. Der Sommer im Rheinland ist schwül und feucht. Eigentlich kaum zu ertragen und genau deshalb eigentlich kaum zu verstehen, weshalb wir das bevölkerungsreichste Bundesland der Republik sind. Der Sommer bleibt jetzt auch erst einmal so, sagt der Wetterdienst, und das weiß auch Femi, die sich ächzend aus ihrem Körbchen hebt, um auf den Kacheln im Flur ein bisschen abzukühlen. Ich setze da auf Bussi Kratzeis. Nur halb durchgefroren, so dass man es noch bequem löffeln kann.
In Nächten wie diesen, die so heiß sind, so feucht, so endlos, da frage ich mich immer intuitiv, ob ich in diesem Leben jemals wirklich glücklich werde. Ob es irgendwo auf mich wartet, mein Glück mit den dunklen Augen, darauf, dass ich es endlich bemerke, denn es ist ja da, das Glück, nur werde ich es eben nicht auf dem Grund eines Bussi Kratzeisbechers finden.
Ich glaube, die Liebe begegnet einem nur einmal im Leben. Und wenn es die echte Liebe ist, die wahre, die tiefe, so tief, dass man glaubt, man blicke in einen untiefen Abgrund der eigenen Seele, so wahr, dass man ängstlich wird, das Leben könnte sie einem wieder nehmen, und man weiß, dass man in diesem Fall nie wieder wird atmen können, dann ist man der Göttlichkeit ganz nah. Max Goldt schrieb in einem völlig anderen Zusammenhang einmal von dem "Weiterkommen in der eigenen Menschwerdung". Wenn sie einem begegnet, die wahre Liebe, die tiefe, dann ist man seiner Menschwerdung einen großen Schritt entgegengetreten, glaube ich.
Wie auch immer, meine Liebe zu Bussi Kratzeis ist hier jetzt nicht gemeint. Obwohl es wirklich hilfreich ist, das Bussi. Ich halte mir den Becher an die Stirn, reibe ihn unter die Achseln und verteile kleine Eissplitter auf Brüsten und Bauch, beobachte, wie sie wegschmelzen und in feinen Rinnsalen auf die Oberschenkel zulaufen.
Vielleicht werde ich jetzt die Badewanne volllaufen lassen, einige Würfel Eis hineinwerfen und mich darin schlafen legen. Sollte ich heute Nacht ertrinken, melde ich mich morgen erst einmal nicht. Sollte ich mich morgen erst einmal nicht melden, bedeutet das hingegen nicht automatisch, dass ich heute Nacht ertrunken bin.
Okay, morgen früh, wenn um halb acht der Wecker klingelt, finde ich das dann sicherlich auch nicht mehr witzig.
Aber für heute Nacht wird es reichen.
Balasevic, einer der erfolgreichsten Liedermacher in Ex Yu überhaupt, hat eine Auswahl seiner Songs von (mir unbekannten) Rockbands neu aufnehmen lassen. Im Herzen immer ein Rocker, jedoch dafür gänzlich untalentiert, hat er auf diese ungeheuer kreative Art und Weise jetzt das bekommen, was er sich gewünscht hat.
Das Ergebnis lässt sich durchaus hören.
Okay, interessiert den geneigten deutschen Leser jetzt einen feuchten Fuzzi, was ich mir um drei Uhr nachts so im Netz anhöre.
Viel interessanter ist wohl, was ich mir dabei denke, um drei Uhr nachts überhaupt irgendwo anders zu sein als im Bett. Schließlich ist morgen ein Arbeitstag.
Nur, ehrlich, ist es im Augenblick einfach zu heiß fürs Schlafen, und kühle Träume sind für diese Nacht nicht mehr zu erwarten. Mein nackter Rücken klebt am Kunstleder des Schreibtischsessels, die Finger rutschen von der Tastatur, selbst die Stereoanlage dudelt irgendwie träge. Der Sommer im Rheinland ist schwül und feucht. Eigentlich kaum zu ertragen und genau deshalb eigentlich kaum zu verstehen, weshalb wir das bevölkerungsreichste Bundesland der Republik sind. Der Sommer bleibt jetzt auch erst einmal so, sagt der Wetterdienst, und das weiß auch Femi, die sich ächzend aus ihrem Körbchen hebt, um auf den Kacheln im Flur ein bisschen abzukühlen. Ich setze da auf Bussi Kratzeis. Nur halb durchgefroren, so dass man es noch bequem löffeln kann.
In Nächten wie diesen, die so heiß sind, so feucht, so endlos, da frage ich mich immer intuitiv, ob ich in diesem Leben jemals wirklich glücklich werde. Ob es irgendwo auf mich wartet, mein Glück mit den dunklen Augen, darauf, dass ich es endlich bemerke, denn es ist ja da, das Glück, nur werde ich es eben nicht auf dem Grund eines Bussi Kratzeisbechers finden.
Ich glaube, die Liebe begegnet einem nur einmal im Leben. Und wenn es die echte Liebe ist, die wahre, die tiefe, so tief, dass man glaubt, man blicke in einen untiefen Abgrund der eigenen Seele, so wahr, dass man ängstlich wird, das Leben könnte sie einem wieder nehmen, und man weiß, dass man in diesem Fall nie wieder wird atmen können, dann ist man der Göttlichkeit ganz nah. Max Goldt schrieb in einem völlig anderen Zusammenhang einmal von dem "Weiterkommen in der eigenen Menschwerdung". Wenn sie einem begegnet, die wahre Liebe, die tiefe, dann ist man seiner Menschwerdung einen großen Schritt entgegengetreten, glaube ich.
Wie auch immer, meine Liebe zu Bussi Kratzeis ist hier jetzt nicht gemeint. Obwohl es wirklich hilfreich ist, das Bussi. Ich halte mir den Becher an die Stirn, reibe ihn unter die Achseln und verteile kleine Eissplitter auf Brüsten und Bauch, beobachte, wie sie wegschmelzen und in feinen Rinnsalen auf die Oberschenkel zulaufen.
Vielleicht werde ich jetzt die Badewanne volllaufen lassen, einige Würfel Eis hineinwerfen und mich darin schlafen legen. Sollte ich heute Nacht ertrinken, melde ich mich morgen erst einmal nicht. Sollte ich mich morgen erst einmal nicht melden, bedeutet das hingegen nicht automatisch, dass ich heute Nacht ertrunken bin.
Okay, morgen früh, wenn um halb acht der Wecker klingelt, finde ich das dann sicherlich auch nicht mehr witzig.
Aber für heute Nacht wird es reichen.
svashtara - 1. Jul, 03:39





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